Überspringen und zum Inhalt gehen →

wechseljahre

Das sagte ich heute meiner Freundin.
Es sind die Wechseljahre.
Wie schön dieses Wort doch ist.

Wechsel-Jahre.
Ich bin im Wechsel.

Ich wechsle meine Haut.
Meinen Körper.
Meinen Geist.
Meine Seele.

Ich lebe meine Häutung.

Warum sträuben sich viele Frauen davor?
Ich geniesse es.

Schwanger kann ich seit Jahren nicht mehr werden. Mit dem Thema Fruchtbarkeit habe ich mich also bereits gründlich auseinander gesetzt.
Den Abschied begehen vom letztmöglichen Muttersein.
Ich liess mir vor vier Jahren die Eileiter schliessen. Ich brauchte zwei Jahre Vorbereitung.
Ein Jahr der intellektuellen Auseinandersetzung.
Das zweite Jahr für meine Gefühle.
Dann war ich bereit, die Entscheidung, die ich zwei Jahre zuvor getroffen hatte, auch wirklich durchzuführen.

Ich habe es nie bereut.
Ich wollte keine weiteren Kinder mehr.
Ich liebe meine Söhne, und liebe es, ihre Mutter zu sein. Mich mit 40 jedoch nochmals auf zwanzig Jahre intensive Wachstumsbegleitung einzulassen, das wollte ich nicht.

Wie sind diese Wechseljahre für mich?

Mein Körper wurde mir mit den Jahren immer mehr zum Freund.
Ich schäme mich seiner nicht mehr.
Nirgendwo.
Auch nicht in meiner Intimität.
Das geniesse ich.
Ich verstehe ihn. Kenne ihn so gut.
Und er vertraut mir. Zeigt mir, was ich brauche. Hilft mir, mich zu verstehen, wenn mein Kopf mal wieder auf der Leitung steht.

Manchmal überrascht er mich mit einem radikalen Schmerz.
Seit einem guten Jahr habe ich zur ungefähren Zeit meines Eisprungs einen solch intensiven Schmerz im Beckenboden, als müsste ich jetzt hier gleich auf der Stelle ein Kind gebären.
Kommt er nachts, dann weckt er mich.
Kommt er am Tag, stehe ich kurz vor einer Ohnmacht.
Nach zwei Stunden ist es vorbei.
Ein Kind ist nicht geboren, doch mein Körper wieder ruhig.

Auch meine Tage sind schmerzhafter.
Als würden sie sich nochmals in mich graben.
Wir verlassen dich.
Nicht jetzt gleich.
Aber immer mehr.
Vergiss uns nicht.
Unser gemeinsamer Weg war lange und geheimnisvoll.
Bald ist er zu Ende.

Ich nehme sie, lebe sie, begleite sie, diese Tage in meinem Frausein, die sich durch mein Leben gezogen haben. Bei mir persönlich wirklich in seltsamer Form. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

Wechseljahre…

Ich brauche meine Reise, um meinen Körper auch diesbezüglich zu verstehen. In Südfrankreich ist es immer so heiss. Ich brauche den radikalen Temperaturunterschied, um zu sehen, dass mir manchmal doch auch heiss wird. Oder eher, dass ich Beklemmungen bekomme in Oberteilen, die ich letzten Sommer noch mit Freude getragen habe. Und nein, ich habe nicht zugenommen…

Dann muss ich mich schnell umziehen, oder jämmerlich ersticken.
Ich entscheide mich jedesmal fürs Umziehen.

Wechseljahre.

Warum tun sich viele Frauen so schwer damit?
Wir haben nicht genug Vorbilder, die uns die Schönheit dieser Jahre vorleben.
Wahrscheinlich liegt es daran.

Da ich jung Mutter wurde, sind meine beiden Jungs auch pünktlich zu meinen Wechseljahren erwachsen geworden.

Ich wechsle vom Muttersein ins Frausein.
Ich muss heute nicht mehr Mutter sein. Auch wenn ich immer die Mutter meiner Söhne sein werde, bis an mein Lebensende, so hat sich trotzdem etwas verändert.
Ich stehe jungen Männern gegenüber. Erlebe auch ihr Häuten. Ihren Wechsel vom Burschen zum Mann.

Warum denken viele Frauen, sie würden etwas verlieren?
Ist es nicht vielmehr so, dass wir etwas gewinnen?

Unsere innere Unabhängigkeit…
Unsere Selbstverständlichkeit…

Ich geniesse die Frau in mir, die ich heute empfange.
Ich bin müde und erschöpft, das stimmt.
Meine Reise hat mir zugesetzt. Ich fühle mich gealtert.
Aber gut.
Gut gealtert.

Ich habe auf meiner Reise der Wandlung viel Neues über mich erfahren. Und viel Altes wiedergefunden.
Ich habe mich erinnert.
An mich.
Und meine Erinnerung von mir in mein heutiges Leben integriert.
Dieses Wechseln ist in all meinen Lebensbereichen sichtbar.
Als Mutter.
Als Frau und auch als Partnerin.
Als künstlerisch schaffender und lehrender Mensch.

Wechseljahre.

Wie schön dieses Wort doch ist.
Wie schön diese Zeit doch ist.

Meine liebe Freundin Barbara schrieb mir etwas besonders Schönes.
Ich will ihre Worte, die mich berühren, hier niederschreiben.

Die „Eisenfaust im Samthandschuh“ – du bezeichnest dich so, hast dich so bezeichnet. Ich habe immer schon heimlich gedacht, dass das Bild nur bedingt stimmt. Und eigentlich andersrum richtiger wäre. Du liebes, ganz weiches, samtseidiges, zartes Herz in der Eisen-Rüstung. Kann es sein, dass die Veränderung, die du gerade zulässt, diese Umkehrung akzeptiert, dass der weiche Teil als Kern spürbar wird – und der harte Teil als Schutz gerade hier und da einen Sprung bekommt?

Wechseljahre…
Wandeljahre.

Das ist es wohl.
Mein Innerstes kehrt sich jetzt nach Aussen.
Die Frau, die bisher die Zügel meines Lebens in der Hand hielt, macht heute Platz.
Platz für die Frau, die dieses bisherige Leben brauchte, um zu wachsen, um zu reifen.

Heute übergeben sie sich die Zügel.

Und die bisherige Frau darf sich nun endlich in den Wagen setzen und den weiteren Lebensweg von ihrer neuen Warte aus betrachten.

Und ruhen.

Published in gedanken zum leben

2 Comments

  1. Monika Monika

    Keine weiteren Worte notwendig ….

    <3 🙂 <3

  2. Brigitte Brigitte

    Liebe Mirjana,

    Wechseljahre – genau dieses Wort hatte ich im Kopf, als ich gestern an dich und deine Wandlung und mit den damit verbundenen Schmerzen dachte.

    Wechseljahre – Wandeljahre. Ja, sie finden bei der einen garnicht statt und bei der anderen heftig.

    So wie bei dir.

    Ich kenne viele Frauen, die auf verschiedenste Weise ihren Weg gegangen sind. Vor Jahren habe ich eine Urkunde bekommen, auf der steht, dass ich mich „Wechseljahre-Beraterin“ nennen darf. Ich habe diesen „Beruf“ nie ausgeübt, weil ich ihn nicht als meine Berufung gesehen habe. Damals wäre ich noch nicht fähig gewesen, Frauen in dieser heißen Phase ihres Lebens zu begleiten.
    Heute wäre es vielleicht anders.

    Im übrigen hatte ich meine HP „Wechseljahre – meine Jahre“ genannt.

    Ja, es sind jetzt deine Jahre. An diesen Wandel muß Frau sich gewöhnen.

    Abschied und Neubeginn.
    Wohin geht die Reise?
    Wie finde ich aus dem Labyrinth heraus?

    Ich wünsche dir einen wunderbaren Wandelweg.

    Genieße dich!

    Herzliche Grüße
    Brigitte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.