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vorgehensweise

Wie bist du an die Planung des Vans herangegangen?

Das war die Frage eines Menschen aus meinem Facebook-Garten und darauf mag ich heute gerne antworten. Also, soweit ich kann. Denn ich bin ja noch immer mitten drin im Bau und somit auch in der Planung.

Der erste Schritt ist lange vor der konkreten Planung.
Denn der erste Schritt liegt in einer intensiven Zeit der Selbstbeobachtung.
Das hilft mir übrigens generell beim Umsetzen der radikalen Materialreduzierung.

Ich achte auf alles.
Auf jeden Handgriff, den ich tue.
Auf jedes Objekt, das ich in die Hand nehme, und wie oft ich es reell gebrauche.
Ist es notwendig?

Dann die Beobachtung der Dinge, die mir gefallen.
Was gefällt mir eigentlich wirklich?
Benutze ich diesen Gegenstand nur, weil er eben da ist, oder weil ich ihn wirklich mag?

So habe ich beispielsweise eine Lieblingstasse für Kaffee und eine für Tee.
Beim Kaffee mag ich die Tasse gerne etwas kleiner. Und beim Tee grösser.
Das ist ein banales Beispiel, doch genau solche Dinge beachte ich.

Und dann benutze ich nur noch diese ausgewählten Objekte.

Dasselbe gilt für Kleider.
Für Schuhe.
Für Pflege-Artikel.
Und in der Küche beim Kochen.

Das zieht sich durch den gesamten Haushalt.

Auch beobachte ich meine Wege.
Meine Bewegungsabläufe.
Wohin gehe ich in der Wohnung?
Welche Gewohnheiten habe ich?
Wo sitze ich gerne? Und wie?

Beispielsweise sitzt mein Lebenspartner gerne auf einem Sofa oder in einem Sessel.
Ich hingegen sitze gerne auf einem Stuhl oder auch Hocker, denn ich lehne mich nur selten an. Ich brauche allerdings einen Tisch. Ich arbeite viel am Tisch.
Mein Lebenspartner dagegen sitzt nur zum Essen am Tisch, sonst nie.

So habe ich auch seine Gewohnheiten unter die Lupe genommen, da der erste Van ja für ihn ist. Meinen baue ich erst Anfang 2018.

Wenn der Lebensraum nur noch 6 qm beträgt, dann ist es wichtig, auf solche Dinge Acht zu geben. Wenn ein Mensch gerne auf einem Sofa sitzt, dann muss dieses Möbel im Mittelpunkt stehen. Sonst ist die Gemütlichkeit nicht gegeben.
Und der Van soll ja nicht einfach nur ein zweckorientierter Raum sein, sondern vor allem ein lebenswerter Raum. Ein Rückzugsort und Freudenplatz.

Wenn ich kreativ arbeite, dann gehe ich immer ganz offen an eine Sache heran.
Ich kann nicht alles von Anbeginn an durchplanen. Das widerspricht meiner Natur.
Sehr zum Leidwesen meiner Mitarbeiter, wenn diese eher zielorientiert ausgerichtet sind.

Ich verliere mein Ziel nie aus den Augen, doch ich plane nicht den Weg dorthin.
Ich schaue, was passiert.
Und damit arbeite ich.

Und so mache ich das auch mit dem Van.
Ich bin heute garnicht in der Lage, alles bis ins kleinste Detail zu planen, da ich eh nicht weiss, was auf mich zukommt. Ich muss einen Erfahrungsprozess erst einmal komplett durchlaufen, ehe ich an ihm herummodeln kann. Das ist eine Frage des Verständnisses.

Das war auch meine Schwierigkeit letztes Jahr in der Ausbildung.

Unser Leiter gab die pädagogischen Informationen immer nur häppchenweise von sich. Und er erklärte nie das grosse Ganze. Und so führten wir Handgriffe aus, ohne wirklich zu verstehen wohin sie führen. Pädagogisch eigentlich eine Katastrophe.

Klar ist es in kreativen Prozessen auch wichtig, nicht immer alles zu verstehen, doch in einem Bauprozess ist es schon eine Hilfe.

Mir ist bewusst, dass ich viel herumirre. Ich habe einen recht einfachen Zugang zur räumlichen Vorstellung. Auch recherchiere ich seit Jahren nach Ideen, was Tiny Houses und Vans angeht. Es fasziniert mich schon immer, wie man das Beste aus einem kleinen Wohnraum herausholen kann.
Ich habe lange Jahre mit meinen beiden Kindern in Paris gelebt. Dort ist Wohnraum horrent teuer. Und so hatten wir einige Jahre zu dritt eine kleine Wohnung von 45 qm. Und sie reichte. Denn wir haben den kleinen Raum bestmöglich genutzt.

Mein Interesse für pragmatische Raumideen hilft mir natürlich sehr.
Ich muss es mir nicht leidvoll erarbeiten, ich beschäftige mich schon lange damit.

Doch zwischen der Idee und der Umsetzung liegt ein langer Weg.

So fliesst momentan die meiste Zeit ins Grübeln und Tüfteln.
Es ist mir unmöglich, dies am Schreibtisch zu tun, da ich nicht einfach einen Kasten habe, der lauter rechtwinklige Ecken hat. Im Van ist nahezu nichts rechtwinklig.

Auch ist der Raum so dermassen klein, dass ich mir jeden weiteren Schritt ansehen muss. Ich stelle also Bretter in den Van, die Möbelelemente darstellen sollen, damit ich sehe, wie weit mein Auge dann reicht. Vielleicht wirkt eine zu hohe Regalwand ja doch erdrückend? Vielleicht hilft es dem Auge, wenn der Blick irgendwohin entwischen kann?

Das sind Teile meiner Überlegungen.
Ich prüfe sozusagen vorab das Wohlbefinden.

Dazu kommt, dass ich noch Holz und letzte Möbelstücke aus der Wohnung hier habe.
Und ich diese, wenn möglich, recyceln möchte.
Das bedeutet, ich habe plötzlich vorgegebene Dinge, beispielsweise ein Brett von einer bestimmten Länge. Ich habe heute mit dem Regalsystem herumgespielt und dazu dieses Brett benutzt. Es geht nicht bis unter die Decke. Und so habe ich angedacht, wie es denn wäre, wenn ich das Regal etwas umdenken würde. Ich könnte über dem Regal einen freien Raum vorsehen, in dem eine Pflanze und eine Lampe stehen könnten. Vielleicht mit einem Spiegel dahinter, um den Raum optisch zu vergrössern.
Ich werde mehrere Spiegel einbauen, an ganz unterschiedlichen Stellen, eben zu diesem Zweck. Und um das Licht umzulenken.

So arbeite ich mich Schritt für Schritt weiter.

Das Grobe weiss ich.
Also ich weiss, wo der Küchenblock sein wird.
Wo das Bett.
Wo die Wasserreserve, die Batterie, das WC etc.
Aber das Feine, sprich die Konstruktion an sich, weiss ich noch nicht.
Das seh ich dann, wenn es an der Reihe ist.

Wahrscheinlich kann ich beim zweiten Van anders vorgehen. Dann habe ich ja die Erfahrung gemacht. Und werde mir viel Denkerei sparen können. Und hoffentlich auch die damit verbundenen Tiefs.

Denn das einfache Tun ist zutiefst entspannend.
Es ist nur ein Ausführen.
Die Hände arbeiten von alleine.

Ich werde gewiss noch einen weiteren Artikel zu diesem Thema verfassen, wenn ich dementsprechend vorangekommen bin. Ich kann nur über das schreiben, was ich bisher erlebt habe. Wie der Bau weitergeht, das werde ich sehen.

Momentan bin ich guter Dinge und kann mir vorstellen, dass der Van bis Ende November grob fertig sein wird.
Grob heisst zwar bezugsfertig, aber ohne alle Details.
Aber das reicht ja schon. Hauptsache ich kann darin sporadisch wohnen und weiterbauen.
Und sicher wird die Tatsache, dass ich dann auch im Van schlafe und ihn bewohne, viele kleine Dinge verändern. Denn dann werde ich ja konkret.

Und stelle vielleicht fest, dass manch eine meiner Ideen wirklich nur in meinem Kopf brauchbar waren, nicht aber im Leben.

 

 

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