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schwarz

Schwarz ist die Farbe meiner Sichtbarkeit.
Schwarz ist sogar generell die Farbe der Sichtbarkeit, wage ich zu sagen.
Nicht umsonst sind Wände, Decke und Boden der Theaterbühne schwarz gestrichen.

Das Auge des Betrachters ruht.
Und mit ihm sein Geist.
Und mit ihm sein Körper und sein Gefühl.

Er ist da.
Einfach präsent.
Bereit.

 

Schwarz ist die Farbe meiner Kleider, wenn ich lehre.
Und schwarz wünsche ich mir die Kleider meiner Schüler.
Warum?

Wir schmücken uns gerne.
Auch ich. Wenn vielleicht auch weniger offensichtlich.

Ich schminke mich nahezu nie.

In meinem Kleiderschrank liegen mehrere Exemplare derselben Kleidungsstücke. Die Oberteile sind meist schwarz, ohne Frou-frou, ohne Zierde.
Wenn Farbe, dann gedeckt. Ein paar wenige Teile bilden die Ausnahme.
Trotzdem habe ich meinen Stil, den ich klar erkennbar finde. Ich habe meine selbstgestrickten Pullis, die – wieder in gedeckten oder erdigen Farben – meine Eigenheit zum Ausdruck bringen.

Schmuck lege ich eher selten an.
Oder phasenweise vielleicht.
Momentan berufsbedingt gar nicht.
Schmuck in einer Schreinerwerkstatt ist gefährlich.
Also kein Schmuck.

Wenn ich mit Menschen in der Gruppe arbeite, dann bitte ich sie um bequeme und dunkle Kleidung.
Lebendige Farben oder auch einfach nur Schriftzüge ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich.
Das ist ja Sinn und Zweck der Sache.
Und es funktioniert.
Immer.

Wenn ich nun mit Menschen an ihrem Ausdruck arbeite, geht es mir um ihren eigenen Ausdruck. Nicht um den ihres T-Shirts. Oder ihrer Socken.

Wie wir uns im Alltag kleiden, ist eine Form unseres Selbstausdrucks. Das ist klar. Und es ist gut so.
In meiner Arbeit geht es aber um etwas anderes.
Es ist die Rückkehr zum Ursprung.

Wir suchen dort, wo es nichts anderes gibt, als uns selbst.
Wir. Schmucklos.
Wir. Maskenlos.
Wir. Aus uns selbst strahlend.

Das macht Angst.
Manchmal.
Oder manch einem.
Das macht aber nichts.
Das geht vorbei.

Ich stelle nach all den Jahren fest, daß diese Kleiderordnung hilft.
Sie beruhigt den Blick.
Und lässt dadurch Platz für das Aussergewöhnliche.

Das Beruhigen des Arbeitsraumes und der Menschengruppe im optischen Sinn, führt auch dazu, daß Details sichtbar werden. Das unbemerkte Kleine, die zaghafte Knospe werden sichtbar, denn sie müssen nichts anderes tun, als da zu sein.

Das beruhigte Umfeld bietet den Raum der Sichtbarkeit.

 

Und dort, im beruhigten Raum, im schmucklosen Ausdruck, dort entstehen immer kraftvolle und wundersame Dinge. Denn dort gibt es einfach nur den Menschen. Und der Mensch ist kraftvoll und wundersam.
Auch wenn er denkt, er sei schwach.
Und klein.
Und unsichtbar.

Und deshalb bitte ich dich, lieber Mensch, der mit mir zu arbeiten wünscht, packe liebevoll deinen Koffer.
Nimm dir deine bunten Gewänder mit für unser gemeinsames Nachtmahl. Für unsere Spaziergänge und gerne auch für einzelne Entspannungsübungen.
Doch für unsere Arbeitssequenzen halte ein dunkles Gewand bereit, etwas ruhiges, etwas gedecktes. Und wohl solltest du dich fühlen, wenn du den Stoff auf deiner Haut spürst und wenn du dich bewegst.

Lege ab, was von dir ablenkt.

Und keine Sorge, du wirst in all deiner Buntheit erstrahlen.
Ich freue mich auf die Farben deines Ausdrucks.

 

Beim Anklicken der schwarzen Text-Bild-Karten kommst du direkt zum jeweiligen Blogtext, aus dem das Zitat stammt.
Wohlige Lektüre.

Und hier geht es zu den Kursinformationen.

Published in gedanken zum leben minimalismus

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