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menschen meines fb-gartens: brigitte

In meinem Facebook-Garten gibt es eine Laube… 

In dieser Laube stehen gemütliche Sessel, ein kleiner Tisch mit Tee und Gebäck. 
Wenn es dunkelt, dann brennen dort Kerzen, unter jedem Fenster eine. 
Die Laube habe ich selbst gebaut. Klar. 

Und die Kissen auf den Sesseln habe ich ebenso selbst genäht. 
Nicht alle, denn manche meiner Gäste bringen gerne etwas Eigenes mit hinein in meinen Garten. 
Dort hängt auch das Windspiel einer Freundin, gebastelt aus Glasperlen und Holzstückchen. Und hier gleich neben mir steht eine selbstgetöpferte Blumenvase, immer gefüllt mit frischen Schnittblumen aus dem Garten der Nachbarin. 

Brigitte Bauch

Draussen im Garten spielt leise Musik. Menschen stehen und sitzen dort und plaudern miteinander. 

Und ich sitze hier in der Laube.
Zusammen mit Brigitte.
Ich habe ihr ein paar Fragen gestellt, auf die sie mir antwortet. 

 

 

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Was bedeutet „wesentlich leben“ für dich?

Die Antwort steckt schon in der Frage.
Wesen-tlich. Was macht mein Wesen aus, wie lebe ich damit?

Erst jetzt, mit fast 62 Jahren, kommt mein angeborenes Wesen zum Vorschein, will gelebt werden. Die Jahre davor habe ich mich leben lassen, nach dem Wesen, den die Menschen meinten, in mir zu sehen.
Da haben sie sich aber wesentlich getäuscht und sind erstaunt über die veränderte Brigitte.

Für mich bedeutet Leben vieles, aber zu aller erst, sein Wesen nicht zu verleugnen, sich nicht stutzen zu lassen. Ich bin nicht in eine Baumschule hineingeboren worden, in der Bäume getrimmt werden, so wie die Menschen ihn wachsen sehen möchten.

Für mich bedeutet meine jetzige Zeit Re-Naturierung.
Ich habe mir die Erlaubnis gegeben, frei in alle Richtungen zu wachsen.
Ich darf mein Wesen leben.

Ich bereichere in erster Linie mich selbst damit.
Und in zweiter Linie die Menschen, die bereits in meinem Leben sind oder die noch in mein Leben treten werden.

 

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Lebst du kreativ? Und wie sieht das aus?

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Ich lebe mit und durch meine Kreativität. Ich kann mich und das, was mich bewegt, am besten kreativ ausdrücken.

Ich liebe Worte und suche nach deren Bedeutung. Ich zerpflücke sie manchmal und kann erst dann, in Einzelteile zerlegt, ihren Sinn erkennen. Mir liegt viel daran, dass die Menschen meine Texte und die Schreiberline dahinter verstehen.

Als 10- oder 12 Jährige hatte ich mir in den Kopf gesetzt, ein Buch zu schreiben.

Nun, das ist lange her, und mein Buch lebt immer noch nicht.
Aber ein Samenkorn, das alle 26 Buchstaben des Lebens enthält, wurde im Laufe meiner Therapie in mich gesetzt.
Vor gut zwei Jahren hatte ich während der Urlaubszeit meines damals wichtigsten Gesprächspartners (un-)bewusst begonnen zu schreiben. Da war so viel los in mir, dass ich alles schriftlich festhalten musste, sonst wäre ich geplatzt.
Mit meinen Tagebüchern stellte sich Erleichterung ein, Ordnung folgte.

Meinen kreativen Ausdruck fand ich dann in einer Schreibgruppe in meiner Nähe. Durch eine Teilnehmerin erhielt ich diesen Tipp (klick). Mit großer Begeisterung bin ich in Barbara’s Schreibgruppe. Im nächsten Jahr werde ich ein Seminar bei ihr besuchen.

Vor einigen Wochen war ich wieder einmal in einem Schreib-/Gestaltungsseminar. „Wortweg“ hieß es und wurde von Ellen geleitet. Um näheres darüber zu erfahren, siehe hier (klick).

In meinem TransFormBuch wurde Herzschwere zu Herzfeuer.
Alles ist wandelbar!

Eine weitere kreative Ausdrucksweise finde ich im Malen und Zeichnen. Nach langer Zeit habe ich wieder damit angefangen, zuerst zögerlich, jetzt regelmäßig. Mirjana hat mir Mut zugesprochen. „Male, auch wenn es hässlich wird, aber Male.“

Übung macht den Meister.

 

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Wie sieht dein Traumleben bzw. Lebenstraum aus?

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Viele Träume haben meinen Weg gekreuzt. Manche kleine konnte ich realisieren.
Meistens aber bin ich gescheitert.

Ich war nicht fähig, meine Träume zu leben.
Ich hatte keine Kraft, sie umzusetzen.
Meine Energie hatte ich an anderer Stelle verbraucht.
Aber dazu später mehr.

Heute habe ich immer noch Träume. Sie sehen anders aus und erfüllen sich auf eine andere Art. Die meisten meiner Träume hatten mit Besitzstand zu tun. Hier im Schwabenländle sagt man „Haste was, biste was.“

Diese Weisheit habe ich für mich umgedreht „Biste was, haste was.“
Bin ich glücklich, habe ich etwas, das mich erfüllt.

Mich erfüllen Geschichten, die ich mir schreibend ausdenke.
Da kann ich unter einem blühenden Kirschbaum sitzen.
Da kann ich mit meinem Hund durch Feld und Flur streifen. Nur wir zwei.
Da kann ich barfuß im nassen Sand am Meer entlang spazieren.
Da kann ich ….

Mich erfüllen Bilder, die ich gemalt habe.
Da betrachte ich eine Tomate, wie sie geschaffen ist.
Da zeichne ich eine Kirsche und laufe Gefahr, sie gleich vom Papier aufzulesen und zu essen.
Da schaue ich genau hin, wie die Adern eines Blattes verlaufen.
Da spüre ich die Nähe einer Höheren Macht.

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Was ist dein Lebens- oder Handlungsantrieb?

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Mein Lebensantrieb ist die immerwährende Suche nach dem Sinn des Lebens und damit auch die Suche nach einer Höheren Macht (für mich ist das Gott).

Mein Handlungsantrieb ergibt sich aus dem Finden des Sinns des Lebens. Einem Mosaik gleich setzt sich ein Stück ans andere. Vielleicht ergibt es irgendwann einmal ein Ganzes.

Begegnungen und Respekt vor meinen Mit-Menschen, Mit-Menschlichkeit.

Leben meines Seins, meines Wesens, meiner Kreativität.

Respektvoller Umgang mit Tier und Natur.

Sinn-voll leben.

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Was waren die größten Einschnitte in deinem Leben? Und wie bist du mit ihnen umgegangen?

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Es war nicht nur Ein-Schnitt in meinem Leben.
Aber einer der großen Einschnitte war, als ich erkannte, dass ich Co-abhängig bin, Schwierigkeiten hatte, ein eigenes Leben zu leben.

In den letzten drei Jahren wurde eine Wunde nach der anderen aufgedeckt und versorgt, die Krusten abgetragen, bis die verletzten Stellen gesäubert waren und versorgt werden konnten.

Die Fäden sind gezogen, aber die Narben bleiben.
Sie gehören zu mir, sind ein wesen-tlicher Teil von mir.
Sie haben mich stärker und empfindsamer gemacht.

Ich bin dankbar für all die Erfahrungen, negativ wie positiv, die ich im Leben gemacht habe. Sie haben mich zu dem Menschen werden lassen, der ich heute bin.

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„Sichtbar leben in der virtuellen Welt“ – Was bedeutet das für dich?

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Ich bin sichtbar in der virtuellen Welt unterwegs.
Jeder kann sehen, wie diese Brigitte aussieht und wie sie sich gibt.

Ich bin vorsichtiger geworden, wie in der wahren Welt auch.

Sorglos habe ich Kommentare, meine Meinungen abgegeben. Ich bin teilweise angefeindet worden, immer nur von Menschen, die ich überhaupt nicht kenne. Mit der Zeit stellte ich fest, dass es Menschen in der virtuellen Welt gibt, die überall ihren Senf dazu geben müssen, Hauptsache was gesagt.

Ich marschiere jetzt viel überlegter durch die virtuelle Welt.

Ich schaue mir die Menschen an, die sich dort bewegen, schließe sehr vorsichtig „Freundschaften“, „like“ viel seltener, weil ich die Werbeflut eindämmen und nicht noch gläserner werden möchte. Ich bin in nur ganz wenigen Gruppen aktiv.

Bei Begegnungen und Freundschaften bin ich mittlerweile wieder altmodisch geworden.

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Welchen Stellenwert haben soziale Netzwerke für dich und wie lebst du das aus?

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Bei der vorhergehenden Frage habe ich schon Stellung dazu bezogen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die sozialen Netzwerke manchmal asozial sind.

Viele Menschen haben in diesen Medien eine Hemmschwelle überwunden, die der Gesellschaft nicht gut tut.

Ich habe bei mir festgestellt, dass Handy und Co. süchtig machen, süchtig nach Aufmerksamkeit und Anerkennung.
Deshalb nehme ich mir täglich eine selbst verordnete Auszeit.
Diese Auszeit verbringe ich dann mit gelebten Begegnungen und mit Eintauchen in meine Kreativität – und natürlich mit meinem ganz normalen Alltag.

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Inwiefern kannst du deine Haltung in der virtuellen Welt verkörpern?

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Es gibt viele Gebiete, bei denen ich meine Haltung verkörpern könnte.
Mir ist es aber besonders wichtig, mich im Tier- und Umweltschutz zu engagieren.
Ich beziehe Stellung, z. B. in Facebook, beteilige mich an Unterschriftenaktionen, die ich für sinnvoll halte, und spende an Organisationen, bei denen ich nachvollziehen kann, wohin meine Spende geht und wofür sie eingesetzt wird.

Eines möchte ich zu dieser Frage noch extra erwähnen… in der virtuellen Welt stellen sich manche  Menschen anders dar, als sie in der realen Welt sind.
Ich finde, dies ist ein mangelnder Wesenszug, den ich nicht nachvollziehen kann.
Ich bin wie ich bin, ob virtuell oder real.

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Die virtuelle Gemeinschaft – Ist sie Freund oder Feind? Schall und Rauch oder wahre Begegnung?

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Die virtuelle Gemeinschaft bleibt virtuell, solange ich nicht persönliche Kontakte aufnehme. Sie ist deshalb gleichzeitig Freund und Feind, Schall und Rauch.

Es liegt an mir, wie ich mich in ihr bewege, ob ich Nutzen, Freude oder Ärger aus ihr herausziehen möchte.

Wenn ich will, kann ich mich ausklinken, für mich sein, abschalten und sie entweder wieder betreten oder mich von ihr fern halten.
Ich bin mir über den Sog, den diese virtuelle Gemeinschaft ausüben kann, bewusst. Deshalb muss ich mich mit gesundem Menschenverstand in ihr bewegen.

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Wie stellst du dir unsere zukünftige Gesellschaft in Hinsicht auf das Gleichgewicht zwischen virtueller Realität und „Fleischleben“ vor?

Es liegt an uns Menschen, wie wir unsere zukünftige Gesellschaft gestalten.

Über Jahrtausende hat sich unser „Fleischleben“ entwickelt. Wir entwickeln uns im Menschsein rückwärts, wenn wir uns von irgendwelchen Apps oder Maschinen bestimmen lassen.

Unser Bewusstsein für uns selbst und für menschliches Miteinander wird nicht mehr genährt. Wir werden gläsern und ferngesteuert – eine gefährliche Entwicklung!

Ich glaube nicht, dass dies Schwarzmalerei ist. Die Denkfabriken in Silicon Valley verheißen nicht nur Gutes, obwohl sie uns ein besseres Leben versprechen wollen.

Deshalb möchte ich zukünftig ein von mir bestimmtes Gleichgewicht zwischen virtueller Realität und Fleischleben behalten.
In diesem Zusammenhang zitiere ich immer wieder gerne Martin Buber: „Der Mensch wird am Du zum Ich. Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

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Danke, liebe Brigitte, mir deine Antworten anvertraut zu haben. 

Ich geniesse es, die Menschen aus meinem Garten etwas näher kennen zu lernen. 
Denn ja, alles wirkliche Leben ist Begegnung.

Die Illustrationen dieses Textes sind alle von Brigitte gestaltet worden. 

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