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meine Sehnsucht…

Sehnsucht…

Das war es, was ich in den vergangenen Monaten sehr stark spürte.

Sehnsucht…

Nach was genau? Ich wusste es nicht. Sie kam auf während der Organisation und Annäherung an ein Klassentreffen. Ein Wiedersehen mit Menschen von vor über 25 Jahren…

Sehnsucht.

Dieses Gefühl sprang mich in überraschender Stärke an. Und es liess mich nicht mehr los.

Sehn-Sucht.

Ich versuchte, zu verstehen. Woher kam sie so plötzlich? Mein Leben, meine Liebe, beide waren im Lot. Und doch war es da, dieses süchtige Sehnen.
Wonach…?
Nach einem verlorenen Ich? Nach einer vergessenen Seite in mir?
Nach einem Leben, das ich hätte leben können, hätte ich einen anderen Weg gewählt als den, den ich schlussendlich gegangen bin?
Nach einem Leben in einer Sprache, die mich so tief rührt?
Ich hatte doch mein Leben hier. In Frankreich. Meine Kinder sind hier. Mein Mann. Meine Arbeit. Ich mag die Natur hier. Sehr sogar. Und wahrscheinlich könnte ich mich garnicht mehr eingliedern in Deutschland nach all den Jahren…

Ich verstand diese Sehnsucht nicht, ich konnte sie nur feststellen. Konstatieren. Diagnostizieren.

Sie trieb mich an.
Sie trieb mich voran.
Sie legte ganz unglaubliche Energien in mir frei.
Und ich genoss sie, obwohl sie gelegentlich so schmerzhaft war, da ich nicht wusste, wohin sie mich trieb. Ich konnte nur vertrauen, dass alles seine Richtigkeit hatte.

Ich spürte, dass das Sehnen richtig war, im Einklang mit mir selbst. Ich spürte auch, dass die Sucht nicht stimmig war für mich. Aber Sehnsucht ist Sehnsucht. Es gibt das Sehnen nicht ohne die Sucht…

Am Wochenende zog ich einige alte Heftchen hervor, treue Begleiter einer Zeit, in der ich im Dunkeln tappte und Hilfe suchte, um mich in meiner Finsternis nicht vollends zu verlieren. Ich schrieb damals viel. Ich schrieb immer dann, wenn ich den Kopf verlor.

Es war im Juli 2006.
Ich hatte an einer meditativen Begegnung teilgenommen, irgendwo in der Nähe von Köln. Getrieben von meiner Sehnsucht.

In meinem Heftchen hatte ich notiert, was ich für mich mitgenommen hatte.
Es ging um das Zusammenspiel von Sehnen und Suchen…

Wir haben aufgehört zu sehnen und dafür zu suchen begonnen. Suchen ist Sehnen, aber ohne Emotionalität.
Wir müssen zurückkehren zum Sehnen.
Spüren, wohin wir wollen. Wohin wir müssen.
Wir müssen Gefühle, das Fühlen wieder integrieren in unser Suchen, damit es wieder Sehnen wird.
Wir brauchen das Sehnen. Es bewegt uns.
So soll unser Sehnen wieder Platz bekommen und Wege finden, um hier zu sein.

Ich las meine Notiz und plötzlich wurde mir alles klarer.
Es geht nicht um Sehn-Sucht.
Es geht um Sehnen und Suchen.
Das „Sehn“ sucht.

Ich hatte grosse existentielle Ängste in dieser Zeit damals. War arbeitslos nach einem Mobbing. Musste feststellen, dass ich dieselbe Misere auch in meiner damaligen Partnerschaft lebte. Wenn schon, denn schon. Und so stand ich finanziell ausgebrannt mit meinen Söhnen mehr oder weniger auf der Strasse.
Irgendwo in diesem Heftchen stand auch, wovon ich träumte. Da standen Sätze wie:
„Hierbleiben. Mit meinen Kindern. Und mein Denken und Fühlen zum Ausdruck bringen. Wenn ich doch nur genügend Geld hätte… Dann würde ich mich dem Schreiben hingeben. Und der Musik. Dann würde ich malen und fotografieren. Dann wäre diese riesige finanzielle Sorge weg, meine Unabhängigkeit gesichert und ich könnte mich meinem Leben hingeben.“

Es war meine Sehnsucht, die da sprach. Meine Sehnsucht nach einem Platz für mich. Meine Sehnsucht, mich auszudrücken. Meine Sehnsucht, mich zu spüren und leben zu lassen.

Das war 2006.
Viele Jahre sind vergangen. Und mein Leben hat sich von Grund auf verändert. Geblieben sind überraschende Zeiten der Sehnsucht.

Dieses Projekt hier, dieser Blog, meine Wiederaufnahme der deutschen Sprache, auch in meiner Arbeit… Das ist die Frucht meiner Sehnsucht der vergangenen Monate. 

Ich habe meiner Sehnsucht vertraut. Ich habe mein Sehnen suchen lassen. Und es hat gefunden.

Ich bin sehr froh darüber, mein altes Heftchen zur Hand genommen zu haben und darin gestöbert zu haben. Es hat mir die Worte geschenkt, die mir fehlten, um zu verstehen.

Ich wünsche euch allen einen Batzen an Sehnsucht.
Alles Liebe.

2 Comments

  1. Silke Silke

    Liebe Mirjana, vielen Dank! Dafür, dass Du Dein Sehnen hast finden lassen. Für den emotionalen Aspekt des Wunsches – eine tolle Erinnerung für mich, dass auch Gefühle ihren Platz bei der Sinnfinde haben und für meine Ent-Wicklung wichtig sind. Es ist toll, dass Du Dein Talent so wundervoll einsetzt, um andere Menschen in der Entfaltung ihrer Potenziale zu unterstützen. Danke.

    • Oh liebe Silke, ich danke DIR. Deine Neugier, Offenheit und Spontaneität haben es mir ermöglicht, mein Sehnen so schnell fruchtbar werden zu lassen. Das war ein grosses Geschenk an mich.
      Und diesen besonderen Platz in meinem Leben hast Du Dir zugesichert. 🙂

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