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liebe fb-menschen, ich bin müde.

Ich schaue mich in meiner virtuellen Landschaft um.
Und ich bin müde.
Keine vorschnellen Schlüsse, ich liebe meine virtuelle Welt.
Im Rahmen, in dem ich lebe, weit ab von vielen Menschen, die wichtig für mich sind, in einer Sprache, die erst durch die langen gemeinsamen Jahre zu meiner Sprache wurde, ja, in diesem Rahmen hat meine virtuelle Welt ihren festen und geschätzten Platz.

Vor wenigen Jahren beschloss ich, von meiner Grundregel zu lassen und vernetzte mich auch mit Menschen, die ich im wahren Leben noch nie getroffen habe.

Das wahre Leben… Was für ein Quatsch, so etwas zu schreiben. Die virtuelle Welt ist nicht weniger wahr, nicht weniger wirklich. Sie ist nur anders. Nicht so fleischig.

Dann, vor Kurzem, beschloss ich, mein Profil öffentlich zu machen. Was heißt das? Nicht mehr nur meine FB-Freunde können mich lesen, sondern Menschen generell. Die Freunde der Freunde der Freunde der Freunde…
Es war eine Entscheidung des Öffnens, des Ausweitens, auch im Hinblick auf meine Arbeit, meine Angebote. Ich schreibe hier auf meinem Blog ja eh öffentlich und so sortiere ich auch schon immer aus, was ich öffentlich zugänglich mache oder eben nicht. Für wirklich Vertrautes habe ich andere Plattformen.

Ja, liebe FB-Menschen, müde bin ich.

Es fing vor geraumer Zeit an und flackert immer mal wieder hoch. Immer, wenn ich die schlechte Idee habe, Kommentare zu lesen. Ich mache es selten, zu meinem Glück, außer eben sie stehen auf meiner Pinnwand.

Doch erstmal zu den Kommentaren allgemein.

Ich wundere mich so.
Ich bin noch bei einigen wenigen Menschen abonniert, deren Gedanken ich regelmässig wertvoll finde. Menschen, deren Worte Anstoss sind für mich. Oder einfach nur Bestätigung meiner eigenen Gedanken, es tut immer gut, seine eigenen Gedanken von einem Zweitmenschen anders formuliert zu bekommen. Ich schätze das.

Manchmal schweife ich dann ab und mache Sozialstudie.
So nenne ich es.
Und lese den Schwall an Kommentaren, der solch einem Gedanken folgt.

Seltenst (!) lese ich etwas, das den Blick weiter öffnet. Oftmals lese ich leeres Geblubber, meistens geht es nur darum, den Autor zu umgarnen, sich bemerkbar zu machen, gesehen zu werden und mir wird schlecht beim Lesen. Also laß ich es sein.
Ich habe lange Monate gebraucht, bis ich endlich die Gedanken dieser Autoren auf meiner Pinnwand teilte, denn ich hatte absolut keine Lust, im selben Körbchen zu landen wie die eifrigen Kommentatoren.

Ich mußte lernen, das zu trennen.

Ich habe noch nie begriffen, warum Menschen einfach leer kommentieren.
Weder im fleischigen Leben noch im virtuellen.
Es ist mir fremd.
Eine Kollegin meinte vor Kurzem, mit mir könne man nur wirkliche Gespräche führen. Es war ein unterschwelliger Vorwurf. Ja, so bin ich eben, gewiß für viele Menschen eine Spaßbremse, dabei lache ich unglaublich viel und gerne. Und ich rede gerne Blödsinn. Doch alles zu seiner Zeit.

Ich lege Wert auf Meinung.

Und ich glaube, hier nicht zu lügen, wenn ich sage, daß ich jede Meinung willkommen heisse. Auch die, die mir fremd ist.

Ich bin neugierig auf das andere Denken.
Ich bin neugierig auf alles, was meinen Horizont erweitert.
Und ich liebe Denkanstösse.
Und so sehe ich den Sinn meiner FB-Pinnwand.

Jede FB-Pinnwand sieht anders aus. Je nachdem, nach welchen Kriterien wir unsere Seite eingerichtet haben. Auf meiner Pinnwand gibt es viel Kunst, gemalte, getanzte, gesprochene, gesungene, geschriebene. Es gibt Handwerk, auf Holz ausgerichtet und auf Wolle. Es gibt Artikel über Minimalismus, Tiny Houses, Humanismus. Es gibt etwas Psychologie, ein wenig Gesellschaftliches, wenig Politik. Es gibt auch ein bisschen Privates, von den wenigen Menschen, denen ich noch dabei folge.

So sieht es in meinem Facebook aus. Und wenn ich etwas lesenswert finde, oder erwähnenswert, oder einfach auch nur lustig, dann teile ich es und mache es zugänglich für die Freunde der Freunde der Freunde der Freunde…

Ich beziehe nicht immer Stellung zu allem, was ich poste, mir genügt der Denkanstoss.
Teile ich die Meinung?
Teile ich sie nicht?
Das ist im Grunde egal, ich teile den Artikel.
Ich teile die Gedanken eines anderen Menschen.
Meine eigenen Gedanken teile ich hier.

Kommt allerdings Diskussion auf, so bin ich immer bereit, in diese einzusteigen, mich auszutauschen. Ich finde es positiv, wenn Menschen lesen und sich ihre Gedanken machen und diese dann auch mitteilen. Es ist mir wichtig, dieses Interesse zu erwidern.

Doch, liebe FB-Menschen, manchmal bin ich echt müde.

Ich bin immer wieder mit ein-und-derselben Situation konfrontiert:
Ehe die eigene Meinung, die Stellungnahme, die persönliche Haltung ausgedrückt wird, kommt erst einmal ein Schwall von Wertung, ein Zerriss. So nannte man dies im Deutschunterricht, wenn ich mich recht erinnere. Nur, daß man damals Argumente bringen mußte, und nicht einfach losspeien durfte.

Einmal wird die Form bewertet, dann wieder der Autor, denn manche Menschen sollen lieber den Mund halten, sie sind nach ordentlichem von-Haarspitze-bis-Zehenspitze-scannen-mit-Darm-und-Seeleninnensicht einfach nicht lesenswert. So erfahre ich von manchen Kommentatoren.
Um den Inhalt geht es irgendwann gar nicht mehr wirklich.

Wie steht es um unsere Meinungsfreiheit? Wie frei dürfen Menschen ihr Empfinden ausdrücken, ohne gleich im Anschluss von Kommentatoren weggefetzt zu werden? Und zwar nicht, weil man mit der Meinung nicht übereinstimmt. Nein, das ist ja absolut in Ordnung und wünschenswert. Solange argumentiert wird.
Fragwürdig bleibt für mich, wenn der Kommentator erst einmal bewertet, ehe er seine eigene Meinung darlegt.

Mensch, ehe du wertest, frag dich doch wenigstens, warum du dies tust…
Und das da in dir drin, das, was dich in die Wertung bringt, ja, das Ding, teile es mit, wenn du magst. Das nämlich bringt die Diskussion wirklich weiter.

Muss ich erst speien, damit meine Aussage, die, wenn überhaupt, erst hinter der Spucke kommt, besser dasteht?
Oder bedeutet dies, daß eine Meinung in eine bestimmte Form gepresst werden muss, um öffentlich annehmbar zu sein?

Anfangs war ich überrascht.
Jetzt bin ich nur noch müde.

Ich kenne das gut aus meinem Leben, klar, sonst würde ich mir nicht die Mühe machen, darauf zu reagieren und hier einen Artikel zu schreiben.
Ich weiss, wie es ist, wenn hinter dem Vorwand, die Form zu diskutieren, der Inhalt verloren geht.
Ich weiss, wie schnell man in Schubladen wandert, wenn man nicht so spricht, wie es allgemein angebracht scheint.

Ich spiele sogar damit, hier, in meinem Fleischleben.
Nie vergessen, ich bin Clown in meiner Basis.
Viel lieber sage ich, ich bin ein Narr.

Des König’s Narr, was war seine Rolle?
Wikipedia sagt mir dazu (und JA ! , ich lese Wikipedia, oh Schreck, oh Graus! Es zitierte einst ein FB-Mensch einen Auszug aus Wikipedia auf meiner Pinnwand und meinte tatsächlich, sich dafür entschuldigen zu müssen. Himmel, wo sind wir denn hier? Genau darum geht es.):

Sie waren also eine soziale Institution zulässiger Kritik. Ihre gesonderte Stellung bzw. die fehlende Bindung an gesellschaftliche Normen ermöglichte dem Narren einen besonders großen Handlungsfreiraum – da alles, was er sagte, aufgrund seiner „Narrheit“ nicht ernst genommen wurde. Darauf begründet sich der heute noch viel verwendete Begriff der „Narrenfreiheit“.

Ich spiele also damit. Gebe gerne erstmal den Anschein des simplen Geistes. Das fallt mir nicht schwer, ich bin so dermassen spontan, daß viele Menschen denken, ich sei etwas dumm. Außerdem nehme ich kein Blatt vor den Mund, trete mit Wonne in jedes Fettnäpfchen, ich spreche –  schlimmer – ich lache forsch und laut und ich fluche. Die Etiketten, die es dann  hagelt, geben mir in der Folge Aufschluss über die Haltung meines Gegenübers.
Ja.
So gehe ich vor.

 

Warum?

Ich konnte es noch nie leiden, wenn Menschen mit Etiketten denken.

Und dagegen gehe ich an.
In meiner Art und Weise.
Die gefällt oder nicht.

Wir können nicht über mehr Toleranz in unserer Gesellschaft reden, unsere virtuellen Fähnchen schwingen und Entrüstung zeigen, wenn mal einer nicht so spricht wie man es erwartet.

Wir müssen zu denken beginnen.
Ist eigentlich nicht sonderlich schwer.
Anstelle direkt eine Entrüstung hinauszuballern, einfach mal kurz innehalten, durchatmen und nachdenken. Argumente sammeln. Das beruhigt ungemein.
Und diese Argumente mitteilen.
Die Argumente.
Nicht einfach nur die Entrüstung.

Und dann entsteht Qualität.
Langsam aber sicher.

Das Manko unserer heutigen Zeit ist die Abwesenheit menschlichen Denkens.
Es ist Zeit, dies zu verändern.

In Liebe,
miRjana

 

2 Kommentare

  1. Sylvi Sylvi

    Meine liebe Mimi, wie recht du hast…aber teile uns weiter alles mit….ich freue mich darüber, sei umarmt, Sylvi

    • Meine liebe Sylvi,
      ich danke dir.
      Ich kann eh nicht anders und schreib mir immer weiter alles von der Seele. Oder vom Magen. Da wo es halt grade drückt…
      Ich umarme dich,
      mimi

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