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es tut so weh…

Es ist vorbei.
Eine Freundschaft.
Eine Beziehung.
Ein Lebensabschnitt.

Und wir trauern. 
Über das, was wir nicht mehr haben.
Weinen um die Leere in uns.

Was ist Trauer?

Mein Lehrer Etienne machte uns vor ein paar Jahren ein schönes Geschenk. Er erzählte uns von seiner Grossmutter, die ihn aufgezogen hatte. Etienne ist selbst ein Mann im reifen Alter, also lebt seine Grossmutter schon lange nicht mehr. Und er wollte uns zeigen, wie schön Trauer doch ist.

Er erzählte von ihr und weinte. Leise Tränen. Würdevolle Tränen. Und er sprach dabei: „Ich habe sie sehr geliebt. Meine Trauer möchte ich um nichts in der Welt hergeben. Denn sie ist der Ausdruck meiner Liebe.“

Zwei Jahre später verlor ich das Sorgerecht über meine Kinder. Ich zog von Paris nach Südfrankreich. Ohne sie.
Sprachlos vor Schmerz.

Ich wusste, dass ich gehen musste, ich ertrug das laute Paris nicht mehr, war dort nicht an meinem Platz.
Ich musste viel lernen in dieser Zeit.
Loslassen.
Vertrauen.
Konsequent zu mir stehen, auch wenn der Preis sehr hoch war.

Der Schmerz in mir war riesig. Dumpf. Erstickend. Allgegenwärtig.

Ich erinnerte mich an Etienne und seine Grossmutter.
An seine Tränen und seine Worte.

Dieser Schmerz in mir, der mich fast zerriss, war meine Liebe.
Und als ich begann, dies zu akzeptieren, konnte ich die Schönheit dieses Schmerzes erkennen. Ich litt nicht mehr.
Weh tat es, gewiss, doch ich erlitt nicht mehr den Schmerz.
Ich spürte diese endlose Liebe zu meinen Kindern in mir.
An der Stärke meines Schmerzes konnte ich meine Liebe messen. Das mag jetzt seltsam klingen, aber so empfand ich es. Mir war diese endlose Liebe zuvor nicht so bewusst.
So tief bewusst.
So innig bewusst.
So lebendig bewusst.

Schlussendlich sind mir meine Söhne schnell gefolgt in den Süden. Doch ich bin dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben, so schmerzhaft sie auch war.

Oft fühlen wir einen Schmerz und wünschen ihn uns weg. Wollen lieber wieder in unsere Gemütlichkeit zurückfallen. Verständlich.

Es lohnt sich aber, unseren Schmerz auszuleuchten, ihn anzuschauen, ihn zu verstehen. Wenn wir traurig sind, jemanden verloren zu haben, so ist diese Trauer Ausdruck unserer Liebe für diesen Menschen.

Und diese Liebe ist wertvoll.

5 Kommentare

  1. Silke Silke

    Eine schöne Sichtweise, dass Trauer auch eine Seite von Liebe ist.

    Das Betrachten und Erforschen der Trauer und Traurigkeit ist ein wichtiger Aspekt des Loslassens. Und wer loslässt, schafft Raum für Neues. Es ist eine sehr schöne Erfahrung, auch die Trauer loszulassen und mit Dankbarkeit auf das Schöne zu schauen, das in der Erfahrung liegt. Und eine Chance darin zu sehen.

    „Die positiven Momente, die du in deiner Beziehung vielleicht einst empfunden hast, rührten nicht von der Harmonie her, die ihr miteinander geteilt hattet… sondern vielmehr von deiner eigenen Ausrichtung auf Den-der-du-wirklich bist. … Die Überzeugung, dass eine andere Person dich glücklich machen könnte, ist unzutreffend. Dein Glück ist dein natürlicher Seinszustand. … Dein wahres Glück erfährst Du, wenn du feststellst, dass kein anderer als du selbst verantwortlich dafür bist, wie du dich fühlst.“ (aus The Law of attraction – Liebe von Esther & Jerry Hicks)

    Die große Chance, die in dem (Trennungs-)Schmerz liegt: Die Trauer erfahren, wertschätzen, zu sich kommen, bei sich sein und sich für Glück entscheiden.

    • Danke, Silke, für deinen schönen Kommentar! 🙂
      Ich bin in jedem deiner Worte ganz bei dir!
      Liebste Grüsse,
      miRjana 🙂

  2. Thomas Thomas

    Zwei Jahre später verlor ich das Sorgerecht über meine Kinder. Ich zog von Paris nach Südfrankreich. Ohne sie.
    Sprachlos vor Schmerz.
    … ich mag die reaktion beschreiben, als ich das las … ich wurde ganz still, mein magen verkrampfte sich … dann liefen mir die tränen herunter … jetzt verstehe ich ein bisschen besser …

    • mmmmh… jetzt überlege ich gerade, was genau du besser verstehst, lieber Thomas. Danke für deine Worte und dein Lesen hier in den Untiefen meines Blogs. Diesen Artikel habe ich schon lange nicht mehr nachgelesen; Ja, diese Sicht auf den Schmerz ist noch immer der meinige heute. Und noch immer bin ich dankbar für alles, was ich lernen musste. Und irgendwann lernen durfte.
      Als ein Dürfen empfand ich es mitten im Schlamassel selten. Doch mit der Zeit kommt die Dankbarkeit.
      Ich grüsse dich,
      mirjana

  3. Thomas Thomas

    … deine damalige sprachlosigkeit und wie das leben dich und dein denken mitgeformt hat mirJana – ich habe erst angefangen dein bisheriges werk zu lesen und bin ob der fülle verblüfft – ich kenne niemanden, der so wach im geist ist und bewußt lebt wie du.

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